… Durchgang verboten, Zugang verboten, Umgang verboten:

GesslerHuete haben so viele verschiedene Erscheinungsformen, und es gibt heute mehr denn je davon: zb Prohibition(en), Tabu(s), Gebot(e) und Verbot(e) …  
… die nicht nur sofort Erkennbares wie “political correctness” betreffen,
also welche Begriffe oder gar nur Worte verwendet werden “duerfen”
— (oder bald wohl auch welche Gedanken gedacht werden “duerfen”) —

oder Prohibitionen wie jene gegen Alkohol, Rauchen, Cannabis, Sexismus uswusf
oder welche Gebrauchs- und Verbrauchs- Gueter auch immer.

GesslerHuete spielen in den BeziehungsDreiecken zwischen Nationalstaat, Sozialen Kraeften und Hegemonie, wie Antonio Gramsci sie sehr treffend beschreibt, genauso eine Rolle wie in den einfachsten Dingen des Alltags. “Bester” Naehrboden fuer Gesslerhuete sind Hierarchien und Hierarchismen, und Paradefaelle wie Inquisition oder Sharia bedeuten stets eine “Bluete” von Gesslerhueten.

Neben den vielen Ritualen rund um Religionskirchen sind Gesslerhuete immer auch in politischen Umgebungen leicht zu entdecken, vielleicht wegen der gemeinsamen Basis der Scheinheiligkeit und Bigotterie: wo Luegen zur “Kultur” werden, sind Tabus und “Muss”Formalismen oft zwingend notwendig. Deine Bewerbung fuer naechste “Jobs” und naechste “berufliche Herausforderungen” bieten leicht vorstellbare Beispiele: wie leicht kannst Du dort etwas “falsch” machen …
(mehr …)
(in der Sowjetunion war es etwa sehr riskant, Telefone fuer internationale Gespraeche zu benutzen, und im “freien Westen” ist es bis heute sehr riskant, an demokratische Grundrechte und Menschenrechte zu denken, zb wirtschaftliche Menschenrechte
oder auch nur JobVerweigerung)

(simple Partizipation zb welche Branche und/oder Gesellschaftsform ueberhaupt durch entgeltliche oder unentgeltliche Mitarbeit bzw. eben (Lohn)”Arbeit” in einem Job unterstuetzt werden soll, ist Basis jeglicher Demokratie, selbst wenn grundsaetzlich
Geld als demokratische Dimension gar nicht in Betracht gezogen wuerde)

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Weniger spektakulaer aber genauso dieses Thema sind “normale gewohnte” Dinge wie
* Verbotszonen (fuers iphone, siehe auch Facebook bzw. VerbotsZonenSeite), wie sie in Graz und Salzburg exzessiv ueberhandgehommen haben, oder ein (“privatrechtlich”)
* gesperrter Oeffentlicher Raum, der im Winter zwar trocken ist und auch nachts Plusgrade aufweist aber nicht von Oeffentlichkeit, ja nicht einmal von Obdachlosen zum Uebernachten oder als Schutz vor Kaelte und Regen genutzt werden “darf”, oder wenn
* Regierungen Verbote installieren, um “uns” vor Gefahren (?) zu “schuetzen”
— (eine Sturzhelmpflicht des Motorradfahrers schuetzt niemanden ausser dem Motorradfahrer, der ja auch weniger riskant fahren oder das Bike stehen lassen kann) —
* oder einfach nur die Handhabung roter Ampeln
— bei “rot” nicht rechts abbiegen zu duerfen (GB, Japan: links) wenn kein Querverkehr und keine Fussgaenger da sind, ist einer der typischesten Gesslerhuete im Alltag —
(bei “rot” ueber die Strasse gehen, wenn niemand sonst auf der Strasse ist? Alle erzaehlen Kindern dass man “das nicht darf” und sind empoert ueber “schlechtes Vorbild”, wenn Andere es tun; aber wenn niemand da ist, geht ja doch jede(r) bei rot drueber)
— oder, was gleich VIELE Menschen auf einmal betrifft: warum sollen Bim und Bus,
mit Vorrang aber Mitschuld bei Unfall = vorsichtig,
nicht grundsaetzlich bei “rot” ueber die Ampeln fahren bzw. abbiegen duerfen??? —

(technische Spielereien wie “Beschleunigungen” und “Ampelschaltungen” fuer Bus und Bim kosten teures Steuergeld von dir und mir; warum nicht mit einem Satz in der StVO vereinfachen und verbessern? schnellere Oeffis sind attraktivere Oeffis)

Ein Gesslerhut kann vermieden werden, wenn statt auf Erzwingung — d.h. statt Herrschaft und Herrschaftlichkeit zu installieren — der Schwerpunkt auf halbwegs vernuenftigen Regeln, Richtlinien und Anhaltspunkten liegt.

(Negativbeispiel: die EU Kommission pervertiert das geradezu, indem
— mit Billigung der Regierungen und mit Geltung in allen Mitgliedstaaten —
(EU)”Richtlinien” missbraucht werden, um Gesetze zu erzwingen)

(Positivbeispiel: (manche) Tempolimits, denn
in Frankreich wird gelegentlich (zu) schnelles Fahren — mit Autonummer — auf Overhead Anzeigetafeln angezeigt aber nicht sofort “bestraft”; wer nur den Blick auf den Tacho unterlassen hat, faehrt fast immer langsamer weiter;
in Italien erlauben 3spurige Autobahnen nicht selten Tempo 160 in der 3.Spur;
weder subjektive Gefahr noch Unfallzahl sind hoeher als beim US Gesslerhut Tempo 88;
in Deutschland ist seit den 1980er Jahren “Richtgeschwindigkeit” kein Tempolimit, und trotzdem fahren nur wenige ueber 130 und kaum jemand ueber 160)

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Klima, Umwelt und Ressourcen werden durch Verzicht auf thermische Kraftwerke (AKW, Kohle, Oel) und Verzicht auf Verbrennung in Motoren, Industrie und Heizungen geschont, und nicht durch Autohasser und Kampf gegen persoenliche Freiheit;
auch Feinstaub ist ein solcher Gesslerhut: Feinstaub ist — auch — ueberall, wo Staub ist, und er wird aufgewirbelt von WIND, zb dem FAHRTwind — auch — von Autos und LKW und Einsatzfahrzeugen wie Rettung, Funkstreife und Feuerwehr, die durch ungereinigte Haltestellen brausen; vor allem eben — auch — durch natuerlichen Wind,
und
wo kein Wind weht, ist Smog, noch ganz ohne Autos; schon einmal die frische Luft nach dem Regen geschnuppert? tatsaechlich zeigen Beispiele wie Berlin, …
— wo es nach Einfuehrung einer “Umweltzone” MEHR Feinstaub als vorher gibt

dass einfaches Waschen der Strasse wie in Paris — es muss ja kein Trinkwasser sein —
die Situation wesentlich staerker verbessert als die Gesslerhuete der Umweltzonen.

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Soziale Prohibitionen und Tabus scheinen (in der veroeffentlichten Meinung) laengst “ueberwunden” und “veraltet” zu sein, leben wir doch 2012 im Jahr 223 nach der franzoesischen Revolution (die erstmals in der Geschichte so profane Dinge wie Gleichheit und Freiheit postulierte)
(aber wurden soziale Prohibitionen und Gesslerhuete jemals ueberwunden? Schritte wie von der PaterfamiliasJustiz im roemischen Recht zum Frauenwahlrecht und generell SelbstBestimmung im 20.Jht. scheinen heute einfach normal und koennen doch mit jedem Buergerkrieg wieder kippen;
— (bzw. sind im 21.Jht. teilweise per “Anti”Terror” tatsaechlich schon wieder partiell gekippt: Airport ohne paranoide Securitymanieren? Sogar Bahnhoefe sind inzwischen nicht selten Domaene solcher “Berufs”gruppen”, und mit Millionen Kameras in Stadt und Land wird Niederhaltung aber nicht Sicherheit erzeugt) —
Damaliges Faustrecht des Gerichtes mit staerkeren Buetteln versus heutiges “geistiges” Faustrecht der staerkeren “Argumente” stellt keine wirkliche WeiterEntwicklung oder gar systemische Verbesserung dar) 

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Gebote und Verbote (zb in der Erscheinungsform “Gesetz”) scheinen heute das unumgaengliche “Um-und-Auf” des Alltags zu sein und sind doch keine brauchbare Grundlage fuer das Zusammenleben von Menschen: kleine Familien und ganze Gesellschaften sind im Lauf der Geschichte immer wieder zerbrochen, wenn sie so dumm waren, sich auf Solches zurueckzuziehen.

(das soll jetzt nicht der “Gesetzlosigkeit” das Wort reden, aber
1. ist der StaatsBegriff nicht naturgegeben sondern erst ein paar Jahrhunderte alt,
2. ist die Reduktion von PersonenAbhaengigkeiten (X) noch viel “juenger” und weniger entwickelt,
— Beispiele fuer PersonenAbhaengigkeiten: Europa/Leibeigenschaft, Asien/ReisfeldDorfgemeinschaft, weltweit vielerorts Sklaverei —
3. treten Gleichheit und Freiheit, obwohl Grundlage der Demokratie, ueberhaupt nur phasenweise in Erscheinung und
4. beginnt Hegemonie, wie etwa Antonio Gramsci sie mit
“Organisationsform Nationalstaat” und “Entwicklungsform Soziale Kraefte

in Beziehung bringt, durchaus bei PantoffelHerrschaft in Familie und Verein
und setzt sich logisch in gesellschaftlichen und politischen Strukturen fort;

sehr oft tritt “Abhaengigkeit-als-Instrument-der-Herrschaft” fast identisch mit Rassismus auf, aber das gibt es auch ganz ohne Diskriminierung nach Ethnien oder Hautfarben; das verdraengen “wir” aber meistens, wenn Begreifen unertraeglich wird)

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Zwar hat schon Immanuel Kant den engen Zusammenhang zwischen Ritualen der Niederhaltung (die damals noch nicht als Gesslerhut bekannt waren) und Bildung aufgezeigt, aber bis heute sind etwa religioese Symbole in Klassenzimmern vielerorts Gesslerhut geblieben.
Auch Justiz, die ihre Existenzberechtigung sowohl historisch wie auch substantiell aus (nicht immer sauber getrennte) Gewalt und Gewaltbereitschaft eines Herrschers (Monarchie, Diktatur, Praesident) oder einer Herrschergruppe (Oligarchie von Regierung, Parlament, Milliardaere) bezieht, lebt von Gesslerhueten wie Kreuz am Richtertisch oder den Gesslerhueten, die (uU gar lebenslange) psychiatrische Macht in “Sicherheits”Verwahrung” oder “Unterbringung” taeglich neu errichtet, wo Legalmord (“Todes”Strafe”) oder Haft “abgeschafft” (was verlogen ist: korrekt waere “durch Psychiatrie ersetzt”) wurden.

PostStrukturalisten wie Jacques Derrida, Michel Foucault, Jacques Lacans u.a. beschreiben in ihrer SprachPhilosophie Rituale und Gesslerhuete im Umfeld akademischer und besonders forensischer, medizinischer bzw. ueberhaupt staatlicher Strukturen. Tatsaechlich sind ja gerade auch akademische Titel, etwa eine Matura oder ein BachelorStudium oder ein Masters oder Doktorat ueberall auf der Welt ein Gesslerhut, der nicht selten Tueren oeffnet (und dann zu “besserer” Nutzung der Eintretenden fuehrt). Selbst Grundlegendes wie Demokratie, Entwicklung der Demokratie oder Elemente der Demokratie sind davon nicht ausgenommen. (Backup zu “Elemente der Demokratie” hier)

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